Das Grüne Projekt ist fad geworden.
Tuesday, June 1st, 2010Die Landtagswahlen im Burgenland sind geschlagen und es gibt einen Mega-Verlierer: die Grünen. Das trifft mich persönlich naturgemäß sehr. Nicht nur, weil es natürlich nicht gerade ein erhebendes Gefühl ist, für eine Partei kandidiert zu haben, die de facto durch den Wahlausgang eliminiert wurde, sondern auch, weil es schwierig ist, einen Grund für diese famose Niederlage ausfindig zu machen.
Eva Glawischnig hat es sich in der sonntäglichen ZIB1 leicht gemacht, und die Schuld bei Hans Niessl gesucht. Das ist Nonsens. Auch operative Fehler wird man kaum finden. Die Agentur hat solides – wenn auch urbanes – Handwerk geliefert und unsere Plakate und Werbemittel waren wirklich gut. Die AktivistInnen waren brav auf der Straße, haben soviel Präsenz gezeigt wie noch nie und auch die Medien-Coverage war beachtlich.
Nach einer solchen Wahlniederlage wird ja jedermann zum Politberater und so schieben viele Gesprächspartner die Schuld der Niederlage auf den wenig bekannten Spitzenkandidaten. Nicht auf seine Performance, sondern auf den Aspekt der Unbekanntheit per se. Dem möchte ich widersprechen, denn obwohl es sicherlich seltsam und unklug war, jemanden 4 Monate vor einer Wahl aus dem Hut zu zaubern, wäre es völlig egal gewesen, wer den WählerInnen von den Plakaten entgegen lacht. Personen sind Schall und Rauch.
Wenn es nicht die Agentur, nicht die Pressearbeit und nicht der Spitzenkandidat als solcher waren, die Schuld an der Niederlage haben – wer dann?
Ich glaube, das Grüne Projekt ist einfach fad geworden. Schuld sind also die politisch Verantwortlichen. Nicht nur im Burgenland, sondern österreichweit. Es wird in Zukunft nicht reichen, die Truppe zu sein, über die jeder froh ist, dass es sie gibt. So wie man froh ist, dass es Regen gibt, weil sonst die Wiese nicht wächst – aber trotzdem die Sonne anbetet, wenn man vor die Wahl gestellt wird. Es wird nicht reichen, der Verein zu sein, der manchmal ein bissl für die Schwulen ist und manchmal ein bissl Skandale aufdeckt.
Die Grünen sind österreichweit eine richtige Partei geworden. Die Protagonisten in Bund und manchen Ländern haben dabei vor allem ein Ziel: am Sessel zu kleben. Man versäumt es, Nachfolger aufzubauen, andere Wege der Politik einzuschlagen, sich über selbstgewählte Grenzen hinwegzusetzen.
Menschlichkeit zählt. Umwelt schützen. Eh lieb. Und gegen Rechts sind die Grünen auch. Eh auch ok. Besser wären Botschaften gewesen, wie “Landtag abschaffen.” oder andere visionäre Ziele. Aber Visionen sind unbequem für die handelnden Politiker. Also wird man auch in Zukunft danach trachten, den bequemen Weg zu gehen.
Die Grünen Burgenland haben thematische Fehler ebenso begangen, wie falsche politische Entscheidungen getroffen. Nicht erst heuer, sondern teilweise bereits vor Jahren. So fragt sich der Beobachter, ob beispielsweise ein politisch bewegter Parteivorstand überhaupt existiert. Vielleicht sollte man hier zuerst anpacken. Oder bei der mangelnden Mobilisationskraft – denn welche Partei kann es sich sonst leisten, dass auf wesentlichen Wahlveranstaltungen jeweils nur ein Bruchteil aller KandidatInnen anzutreffen sind, ja nicht mal der gesamte Vorstand.
Ob die Partei aus dem 30. Mai etwas gelernt hat, wird die Zukunft zeigen. Ich wünsche es ihr sehr.
Sie entscheiden bei der Wahl am 30. Mai, in welche Richtung unser Burgenland geht. Deshalb bitte ich Sie vor allem, wählen zu gehen.



