Grünkapitalist

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Die neue Sachlichkeit.

Wofür die Grünen stehen

June 15th, 2009 at 14:03
www.gruene.atFührt man sich die Website der Grünen Bundespartei zu Gemüte, so ergibt sich folgendes Bild:

Hauptaufgabe der Grünen ist die Verhinderung und das Leid als solches. Verhindert werden müssen “Rechts” im Allgemeinen und Graf im Besonderen ebenso wie geplante Verfassungsbestimmungen und das Ergebnis der ÖH-Wahl. Gelitten wird, weil die anderen so böse sind und die Schulreform verhindern, wegen der ÖH-Wahl und weil Martin Graf kein Ende nimmt.

Das ist alles schön und gut. Aber reicht es als wahrnehmbares politisches Programm? Was die Website (zumindest am 15. Juni 2009) schmerzlich missen läßt, sind Themen und Botschaften, die wirklich bewegen. Nicht zehn oder zwanzig, sondern nur drei oder vier – und die dafür stark profiliert.

Christoph Chorherr hat im SN-Interview am Wochenende richtig festgestellt:

Wir brauchen eine grundlegende Neuorientierung der Politik. Es reicht nicht, dass man laut gegen Rechts und gegen den Herrn Graf ist – das ist No-na–Politik. Wir müssen Antworten auf die Frage geben: Wofür steht ihr? Was sind die drei oder vier Leidenschaftspunkte, für die ihr Grüne kämpft?

Um diese Neuorientierung zu verwirklichen braucht es keine neuen Gesichter (zumindest nicht primär) sondern eine andere politische Kultur. Ich möchte hinzufügen: die Grünen brauchen für eine Neuorientierung eine starke Führung und viel mehr Gelassenheit gegenüber internen Problemchen.

Und die Partei braucht ein Kommunikationsseminar. Denn kaum war die “Krise” Voggenhuber ausgestanden, machten sich die Wiener Grünen Vorwähler daran, die Partei in Angst und Schrecken zu versetzen. Wie im Zuge dessen kommuniziert wird, sieht man am Medienergebnis. Die Grünen kommen oft, aber extrem unvorteilhaft vor. Sie erregen mit der Vorwahl-Sache mehr Aufmerksamkeit als gut tut. Was in den Köpfen der Menschen “da draussen” übrig bleibt ist der Eindruck einer autistischen Partei mit rechten Angstneurosen und einem veritablen Binnen-I-”Klescher”.

Was ich mir wünschen würde und wofür ich eintrete wäre eine Grüne Partei, die im Stande ist, wenige, zukunftssichernde Themen wahrnehmbar und emotionalisiert auf die politische Agenda zu setzen – umhüllt von professioneller Kommunkation jenseits des Opferschemas. Das gibt es. Aber nicht bei den Grünen selbst sondern in deren Umfeld und in anderen Ländern. Ein strahlender Stern auf diesem Gebiet sind die Schweizer Grünliberalen. Abgesehen davon, dass ich mich dorthin – rein Standpunkt-mäßig – sehr hingezogen fühle, scheint mir deren Website ein Juwel der einfachen, verständlichen Kommunikation teilweise komplexer Standpunkte. Vielleicht wäre auch das ein Weg für die Grünen Österreichs: weg von akademischen Diskussionen und hin zu mehr Bauchgefühl, mehr Pro und weniger Contra.

Ob ich das noch erleben darf, bevor es die Partei völlig zerbröselt hat? Die Zeit naht, in der etwas Besseres, etwas Anderes kommen wird, eine Partei so wie die Grünliberalen Schweiz, die eindeutig positioniert ist, sachbezogen und verständlich argumentiert und von pseudoaktionistischen No-Na-Aktionen (no na sind wir gegen Rechts) Abstand nimmt zugunsten eines Profils, das jeder Depp (im positiven Sinne) als gut und richtig empfindet. Und dann wirds düster für eine Partei, die in all der Zeit ihres Bestehens noch nicht zu einer klaren Struktur gefunden hat und die streckenweise agiert, als gebe es kein politisches Morgen. Und viele werden bereitstehen und dieses Plagiat als wesentlich erfrischender als das Original empfinden.

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4 Responses to “Wofür die Grünen stehen”

  1. Helge Says:

    Danke. Hier die fehlenden Links: http://www.grunliberale.chhttp://www.gruenevorwahlen.at

  2. Christian Schreiter Says:

    Ah, wirklich. Danke Helge!

  3. Die Durch- und Überblicker | BäckBlog Says:

    [...] Was bleibt von den Wiener Grünen? Was in den Köpfen der Menschen “da draussen” übrig bleibt ist der Eindruck einer autis… [...]

  4. Dafür steht Grün! | Grünkapitalist Says:

    [...] habe im Juni einen Beitrag mit dem Titel “Wofür die Grünen stehen” verfasst, in dem ich mir folgendes wünschte: Was ich mir wünschen würde und wofür ich [...]

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