Bedingungsloses Grundeinkommen
June 16th, 2009 at 7:58
Tags: Grundeinkommen
Posted by Christian Schreiter,
in Bundespolitik
Tags: Grundeinkommen
June 16th, 2009 at 09:54
Großartig! Das soll sich mal jeder, der für ein bedingungsloses Grundeinkommen ist ansehen. Jemand der so bescheuert ist wie diese Antje sollte schon gar kein Hartz IV bekommen. Man sollte direkt mal eine Umfrage starten, wie viele Minuten am Tag jeder bereit ist für Antjes Sinnsuche und Zigaretten zu Arbeiten.
June 16th, 2009 at 10:22
Lieber Michael,
meine Meinungsbildung zum Thema Grundeinkommen ist noch nicht abgeschlossen, ich tendiere aber zur bedingungslosen Pro-Seite.
Der Punkt ist: wäre die Welt so viel anders, dass in ihr tatsächlich ein bedingungsloses Grundeinkommen existierte, dann müsste sich niemand fragen, wieviel Minuten am Tag er arbeiten muss, um die Zigaretten der anderen zu finanzieren.
Letztlich ist das Thema ein weltanschauliches. Ich glaube aber, dass eine Welt ohne Neid und mit freier Entfaltung jedes Bürgers möglich ist.
Und: warum ist Antje per se bescheuert, nur weil sie in der Kreativszene tätig ist und daher ein sehr unregelmäßiges Einkommen hat?
Fragt und meint,
Christian
June 16th, 2009 at 11:39
Antje ist nicht deswegen bescheuert, weil sie in der Kreativszene tätig ist und/oder ein unregelmäßiges Einkommen hat, sondern weil sei denkt, dass sie einen Anspruch darauf hat, dass jemand für das, was sie sich als angenehmes Leben vorstellt aufkommt.
Die Grundlage unserer Wirtschaft ist die Produktivität. Auch wenn unser Wirtschaftssystem mit all seinem Fiat-Money, Aktien und Derivaten ungeheuer kompliziert erscheint geht es am Ende des Tages nur darum, dass wir Zeug (bzw. Dienstleistungen) produzieren müssen, den andere wollen. Wenn wir weniger Zeug produzieren dann werden wir ärmer. Im konkreten Fall bedeutet das, dass Antja entweder in der Kreativszene ein Produkt erzeugen kann oder Kinder unterrichten könnte. Offensichtlich ist es so, dass Antjes Kreativprodukte nicht sehr begeht sind - vielleicht weil es ausreichend bessere Künstler als sie gibt, für ihre Fähigkeit Kinder zu unterrichten wäre hingegen ein Bedarf da.
Was bedeutet das? Ihre Entscheidung im Kreativbereich tätig zu sein anstatt Kinder zu unterrichten hat Deutschland weniger wohlhabend gemacht - natürlich nur ein ganz kleines bisschen. In einem Staat vollkommen ohne Sozialsystem würden diese Verringerung des Wohlstands fast nur sie treffen. Je stärker das Sozialsystem ausgebaut ist desto mehr wird diese Wirkung verteilt.
Wenn immer mehr Menschen dazu übergehen, Arbeiten auszuführen, die sie sehr gerne tun, für die aber kein Bedarf besteht werden wir immer Ärmer.
Deswegen ist unser Einkommen an eine Bedingung geknüpft: wir müssen Zeug machen, für das ein Bedarf existiert. Alles andere können wir zwar auch tun, wir können aber nicht erwarten, dass jemand dafür bezahlt.
June 16th, 2009 at 12:18
Lieber Michael,
ich gebe Dir in vielen Punkten recht, glaube aber, dass die Wirtschaft nicht zusammenbrechen würde, wenn jeder das tut, was er gerne macht.
Im Gegenteil, denn ich denke auch, dass die dumpfen Arbeitssklaven, die ihr Leben lang einen Job machen, der ihnen eigentlich gar nicht zusagt, der (Volks-)Wirtschaft teurer kommen als Antje.
Genau dieses Video habe ich eigentlich rein aus Provokation ausgewählt. Ich selbst könnte mit Antje und ihrer Einstellug gut leben. Viele andere nicht. Und das ist schade.
BTW: Schauspielerei und Malerei (z.B.) sind “Zeug”, für das per se kein Bedarf besteht. Dennoch ist es unerlässlich, dass es Menschen gibt, die diesen Berufsweg eingeschlagen haben. Diesen gleichzeitig zu sagen: “Arbeitets aber nebenbei auch was Gescheites!” halte ich für vermessen …
Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Träumerei von einer besseren Welt. Sonst leider nichts, da die Welt so gut gar nicht sein will
June 16th, 2009 at 14:00
Ich möchte mal eine meiner Vermutungen zum bedingungslosen Grundeinkommen hineinwerfen.
Vermutung: Der volkswirtschaftliche “Maximaloutput” liegt nicht bei einem bedingungslosen Grundeinkommen in Höhe von 0 Euro, sondern erreicht irgendwo oberhalb 0 Euro sein Maximum, dann sinkt er wieder. Begründung: das hat was mit Risiko zu tun, ähnlich der Begründung für das Rechtsinstitut der Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
Wenn sich das zeigen liesse, dann müssten wir schon deshalb weggehen von einer Diskussion “ob” wir ein Grundeinkommen brauchen hin zu einer Diskussion “wie hoch” es idealerweise liegen sollte… und zwar auch dann, wenn wir diesbezüglich ausschliesslich “von rechts” argumentieren…
June 16th, 2009 at 18:29
@Martin: Das ist natürlich richtig, aber in so einer Form gibt es ein Grundeinkommen ja schon, wie auch Antje im Video sagt: bei uns muss niemand Angst haben zu verhungern oder zu erfrieren usw. und es wäre definitiv nicht angebracht wenn bei uns Menschen verhungern würden, nur weil sie z.B. krank werden.
Nur die Idee vom Grundeinkommen ist ja, dass man mit dem Grundeinkommen dann irgendwie die meisten Annehmlichkeiten der Mittelschicht dabei hat, vor allem wenn man dann manchmal “nebenbei” was arbeitet. Ich denke der “Maximaloutput” liegt irgendwo, wo Menschen zwar keine Not leiden, aber kein sehr angenehmes Leben haben.
@Christian: “Bedarf” bedeutet nicht, dass etwas unbedingt notwendig ist, sondern dass Menschen bereit sind dafür etwas auszugeben, also letztendlich dafür zu Arbeiten. Das trifft auch auf Schauspielerei und Malerei zu.
Die Wirtschaft würde beim bedingungslosen Grundeinkommen sicher nicht zusammenbrechen, nur würden wir alle ärmer werden - signifikant ärmer. Und ich finde auch nicht, dass das Neid ist: es geht einfach um Gerechtigkeit. Nicht nur Antje reist gerne, ich reise auch gerne, ich spare explizit darauf, ich verzichte auf vieles, damit ich mir ausgefallenere Reiseziele leisten kann. Bin ich deswegen ein schlechter Mensch, wenn ich nicht einsehe, dass ich einen Teil meiner Arbeitszeit dafür aufwenden muss um dafür zu Arbeiten dass Antje nicht als Lehrerin arbeiten muss sondern im Kreativbereich Arbeiten ausführt, für die kein Bedarf besteht? Ich sehe durchaus ein, dass Menschen in Not geholfen werden muss und ich bin auch bereit dafür Steuern zu zahlen - aber ich bin nicht bereit dafür zu Arbeiten, dass andere Menschen ihre Vorstellung von einem erfüllten Leben Leben können.
July 23rd, 2009 at 16:31
Jeder, der die geschlossene Frage gestellt bekäme, ob er gerne sein Leben bedingungslos durch den Staat finanziert bekäme, würde imt “JA” antworten - was für eine bescheuerte Herangehensweise! Das bedingungslose Grundeinkommen ist die Art der Volksverdummuzng, die die Linke immerzu betreibt. Alternative dazu: http://umsteuern.org
July 23rd, 2009 at 19:29
Warum das eine Volksverdummung sein soll und das andere nicht, bleibt mir verborgen, obwohl mich sicher niemand als linken Sozialromantiker bezeichnen würde.
Abgesehen davon, dass das angesprochene Bürgergeld Probleme löst, die es in Österreich nicht in der Form gibt, bleibt der für mich unangenehme Beigeschmack, dass dabei der Wert der Menschen erst wieder ausschließlich über die Arbeit definiert wird. Witzig, dass sich das dann liberal nennt.
Trotdem danke für den Beitrag - ich muss gestehen, ich kannte die (deutsche) Bürgergeld-Idee noch nicht.
July 24th, 2009 at 15:46
@Michael:
Deshalb braucht es eine offene Frage, wie z.B.:
“Was würden Sie arbeiten, wenn für ihr Einkommen gesorgt wäre …?”
Die Alternative unter “http://umsteuern.org”, das angeblich so “liberale Bürgergeld” der FDP, ist auch nicht weit von der Volksverdummung entfernt.
Siehe dazu auch den folgenden Artikel:
http://www.grundeinkommen.de/06/06/2008/das-liberale-buergergeld-wenn-hartz-iv-vom-finanzamt-kommt.html
July 25th, 2009 at 17:33
Hi, hab das so eine Frage an dich. Ich habe jetzt das “Deutschland sucht den bGE-Kandidaten”-Spiel bei Facebook gestartet:
http://www.facebook.com/apps/application.php?id=124236182237
Und wollte dich fragen, ob du Lust hättest so eine Facebook-Box bei dir in die Seite einzubauen?
Beispiel:
http://codeschnipselbge.blogspot.com/
Wenn ja, den Code findest du hier:
http://snippets.dzone.com/posts/show/7620
Damit würden wir auf unsere bGE-Kandidaten aufmerksam machen.
Viele Grüße bgenymous
July 25th, 2009 at 21:24
Liebe(r) bgenymous, ich würde das doch glatt machen - wenn ich und mein Blog nicht aus Österreich wären …
September 16th, 2009 at 16:42
Durch die technische Modernisierung der Arbeitsplätze sowie durch die Umwandlung von Firmen in “Marken” ist ein Überangebot von Arbeitern in aller Welt vorhanden.
Wenn unsere Sozialdemokraten und andere Parteien also das Hirgespinnst der “Vollbeschäftigung” nachgehen, so bleibt das bedingungslose Grundeinkommen der einzige Weg.
Und nein, unsere Wirtschaft würde nicht zusammenbrechen wenn Millionen von Menschen plötzlich nicht mehr gezwungen werden oft einer völlig sinnlosen und idiotischen Arbeit nachzugehen. Vielleicht würde unsere Wirtschaft dann wieder auf die Produktion von sinnvollen Waren umsteigen, weg von ständigen Konsumgütern welche auch die letzten Resourcen unseres Planeten verschwenden.