Grünkapitalist

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Die neue Sachlichkeit.

Die Burgenländer positiv bewegen kann nicht so schwer sein.

December 2nd, 2009 at 9:00
Ich habe mich kürzlich wieder mal sehr über die BurgenländerInnen im Allgemeinen und über deren ablehenden Haltung gegenüber den Grünen im Besonderen geärgert und in Twitter gar gepostet: “Das Burgenland ist ländlich, grünfeindlich und demokratiedefizitär. Und ich als Missionar mitten drinnen. Manchmal stimmt mich das traurig.”

Ja, natürlich ist das Burgenland strukturell unterentwickelt und unter der irren Fuchtl nicht ganz ernst zu nehmender Roter und Schwarzer. Und natürlich ist es einfach zu attestieren, dass sich “der Burgenländer” politisch einfach leicht verarschen und auf den Kopf scheissen lässt, während sein einziges Ziel es ist entweder von der praktizierten Freunderlwirtschaft zu profitieren oder möglichst rasch das Land Richtung Wien oder Graz zu verlassen, während die Regierung sich in erster Linie selbst genügt und einfach Irgendwas tut. Und natürlich kotzt es mich an, ständig Sachen zu hören wie “Na, wenn es die XXX / den YYY nicht gebe, dann würd ich Euch ja eh wählen”  (während ganz klar ist, dass man die Schwarzen trotz Schottermitzi wählen kann) oder (eigentlich noch krasser, weil trauriger und viel öfter gehört) “Na, ich würde Euch ja unterstützen, wenn ich dann nicht um meinen Job / mein Unternehmen / meinen Hausbau fürchten müsste, weil die Roten / Schwarzen haben schon gesagt, ich soll mich da nicht spielen.”

Die Frage ist aber: wie begegnet man einem eingeschüchterten Volk, das seine natürliche Hauptstadt in Ungarn lassen musste und sich devot in den Willen der Regierenden fügt? Ich sagte bisher immer, man müsse Klartext reden, schaun, was die BürgerInnen wirklich bewegt und ihnen Lösungen auf ihre Probleme bieten, ihre Ängste ernst nehmen.

Aber wie macht man das in einem Umfeld in dem die einen (SPÖ und ÖVP) sich selbst verwalten und dabei das Burgenland intelektuell und wirtschaftlich zu Grunde richten und die anderen überhaupt nur ein Problem samt Lösung erkennen (FPÖ und FBL)? Wie spricht man Klartext und will den überhaupt wer hören?

Ich glaube, die Grünen im Burgenland haben immer Klartext geredet, sind aber über lange Zeit hinweg vor allem “gegen” etwas gewesen. Gegen die Roten, gegen die Blauen, gegen die Thermen, gegen das Heer. Und ich glaube, dass das Geheimnis einer erfolgreichen grünen Zukunft darin liegt, für etwas zu sein, ohne dabei mit dem Mitbewerb in Resonanz zu gehen. Das wird nicht von heute auf morgen klappen und erst in einigen Jahren Wirkung zeigen. Es wird aber notwendig sein, um den BürgerInnen eine Perspektive zu geben. Eine Perspektive die so stark ist, dass sie zu Grün stehen, auch wenn damit Repressalien des roten oder schwarzen Bürgermeisters einhergehen mögen. Man muss den Leuten Hoffnung geben. Dazu braucht es keine besondere Kraftanstrengung, sondern einzig viel Durchhaltevermögen. Es braucht keine Kraftanstrengung, weil die Grünen ohnehin mehr als Heimatpartei sind – nämlich Lebenspartei. Klartext reden muss heissen, positiv auf die Bedürfnisse und Ängste der Menschen zuzugehen ohne darauf zu achten, ob man sich eh Grün genug gibt, ohne die Menschen zu belehren.

Der Burgenländer muss lernen, dass der “Umgang” mit den Grünen durchaus auch entspannt und ohne schlechtes Gewissen erfolgen kann. Und die Grünen müssen lernen, dass sie sich nicht als allwissende Regierungspartei geben müssen, wenn sie gar keine sind und Mut zur inhaltlichen Lücke zugunsten eines klaren Profils haben.

Das kann ja nicht so schwer sein.

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3 Responses to “Die Burgenländer positiv bewegen kann nicht so schwer sein.”

  1. Nicole Delle Karth Says:

    danke, danke, danke!! für diese erkenntnis. und jetzt: umsetzen! was will grün fürs burgenland?

  2. kritikus.at Says:

    Zunächst einmal solltet Ihr Euch klar sein, dass Sonntagsreden ala “auf die Bedürfnisse und Ängste der Menschen zuzugehen” nichts bringen, wenn man gleichzeitig genau das Gegenteil tut (zB in der Asyl-/Einwanderungsfrage und bei den Reaktionen auf die schweizer Entscheidung). Das Engagement der Grünen in der Klima- und Raucherreligion wird sicher auch nicht hilfreich beim Streben nach mehr Wählerstimmen sein…

    >>Na, ich würde Euch ja unterstützen, wenn ich dann nicht um meinen Job / mein Unternehmen / meinen Hausbau fürchten müsste, weil die Roten / Schwarzen haben schon gesagt, ich soll mich da nicht spielen<<

    Das dürfte imho nur bei der Rekrutierung von Mitarbeitern/Unterstützern eine Rolle spielen, mit den Wahlergebnissen eher nichts zu tun haben. Solange es kein eVoting gibt haben wir ja noch eine freie, geheime Wahl… ;)

  3. Christian Schreiter Says:

    @Nicole: Du weißt, ich bin dabei, beim Umsetzen. Was ich fürs Land will, poste ich demnächst. Ob sich das völlig mit dem deckt, was Grün als Gesamtheit will, weiß ich (noch) nicht ;-)

    @kritikus.at: in Bezug auf die Schweiz gebe ich Dir recht, in Bezug auf die Zuwanderung/Asylfrage nicht. Ich erinnere an das Van-der-Bellsche Punkteprogramm zur Regelung von Zuwanderung. Ich orte aber auch ein Problem darin, dass die Grünen andersdenkende in der Regel für verrückt erklären – was ihren sinnvollen Argumenten dann leider oft die Glaubwürdigkeit kostet. Zum Rest: ohne einer Vielzahl von Mitarbeitern und Unterstützern ist es aber halt schon sehr schwer die nötigen Impulse zu geben, um in der Wahlzelle “richtig” zu wählen. Eine Partei lebt letztlich von Multiplikatoren ….

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