Grünkapitalist

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Die neue Sachlichkeit.

Ein grünliberales Angebot an die WählerInnen

January 30th, 2010 at 14:47
Heute fand die Landesversammlung der Grünen Burgenland statt – und zwar jene Landesversammlung, bei der die Landesliste zur Landtagswahl im Mai 2010 gewählt wurde.

Ich selbst habe es geschafft, währenddessen krank im Bett zu liegen, habe aber natürlich trotzdem für Platz 4 kandidiert. Ich danke an dieser Stelle meinem Ghostredner und Landessprecher der Grünen, Josko Vlasich, fürs Einspringen.

Bei meiner Kandidatur habe ich nicht mit der Tatsache hinterm Berg gehalten, dass ich vor allem grünliberales Gedankengut in mir trage und auch meine Rede war nicht frei von Ironie und Winken mit dem Zaunpfahl. Besonders freut mich daher das Wahlergebnis: fast 88% der Stimmberechtigten fanden mich unterstützenswert. DANKE!

Den Inhalt meiner Rede möchte ich den geneigten LeserInnen nicht vorenthalten:

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich hüte mit Grippe das Bett und so ist es mir leider heute nicht möglich, diesen für die Grünen Burgenland so wichtigen Tag mit Euch gemeinsam zu erleben. Das finde ich für sehr schade und resultiert vermutlich aus den letzten sehr intensiven Wochen mit hunderten Wählerkontakten meinerseits beim Einsammeln und Erbetteln von Unterstützungserklärungen für die Wirtschaftskammerwahl im März. Diese für Grüne völlig ungewohnten Massenkontakte haben mein Immunsystem offensichtlich gleich mal angegriffen.

Aber Scherz beiseite. In Wirklichkeit hat sich mein Körper vermutlich aus lauter Gram einfach aufgegeben. Gram über konkrete Erfahrungen und Geschichten, die ich aus diesen vielen Kontakten mit Menschen – vorwiegend Unternehmer und Unternehmerinnen – mitnehmen durfte. Und so kann ich Euch vorweg gleich einmal sagen, was ich nicht will:

Ich will in keinem Land leben, in dem sich Unternehmer, Lehrer, Beamte und Arbeitnehmer deshalb nicht als grün oder grünaffin outen wollen, weil sie reale Angst davor haben, dadurch Kunden oder den Job – jedenfalls aber ihre Existenz zu verlieren.

Ich will in keinem Land leben, in dem ein national gesinnter, roter Landeshauptmann samt willfähriger Parteisoldaten Politik und Demokratie einzig in seinem Sinne auslegt und bei einem Bau eines Hauses für 300 Menschen vom „größten Angriff auf das Burgenland in seiner Geschichte” spricht. Da war der 2. Weltkrieg quasi nichts dagegen.

Ich will in keinem Land leben, in dem Verantwortliche die Sektkorken knallen lassen, wenn insgesamt rund 9.000 Urlauber mehr ins Lande kamen als im Vorjahr, diese aber lediglich je 3 Tage blieben und in dem Tourismuspolitik allgemein beim Bau von Thermen und sinnlosen Hoteltürmen halt macht.

Ich möchte in keinem Land leben, in dem die Politik stolz drauf ist, Ziel 1 Gebiet zu sein und in dem niemals hinterfragt wird, was man tun könnte, damit nicht jedermann auspendeln muss. In einem Land, in dem – und ich sage es nochmals – der nationale und solzialistische Landeshauptmann auf Kosten des Steuerzahlers zum Ölbaron wird, anstatt den nicht vorhandenen öffentlichen Verkehr zu forcieren.

Die Liste ließe sich fortsetzen, aber ich möchte Euch nicht fadisieren. All diese Punkte sind jedenfalls Grund genug, sich für und bei den Grünen zu engagieren.

Wäre ich nun persönlich hier, würde ich Euch – um das Hearing im Anschluss etwas spannender zu machen – vom bedingungslosen Grundeinkommen erzählen und von meiner Enttäuschung darüber, dass die Grünen dieses Modell öffentlich nicht einmal ignorieren. Oder ich hätte Euch mit kritischen Bemerkungen zur Übererfüllung der Parität bei Listenwahlen genervt. Dieses Erlebnis bleibt mir leider verwährt.

So will ich die Zeit nützen, um mich den – wie bei Wahlen der Grünen üblich – vermutlich vielen unbekannten Gesichtern im Saal vorzustellen. Ich lebe in – durch seine Nähe zu Wiener Neustadt letztlich sehr städtisch geprägten – Neudörfl, bin seit heute 37 Jahr jung, verheiratet und habe zwei fantastische Kinder. Ich wurde unter Höchtl und Riegler (das war der mit der ökosozialen Marktwirtschaft, der auch aufgrund seiner blöden grünen Ideen nur kurz Bundesobmann war) in der ÖVP politisch sozialisiert, verließ die vermeintliche Volkspartei im Zuge von Schüssel 2 und bin damit einer jener Grünen, die sich mit einigen Grundwerten der Grünen ganz intensiv identifizieren können (selbstbestimmt, ökologisch, gewaltfrei, solidarisch) mit anderen zwar auch, aber in einer anderen Form als der erwarteten (basisdemokratisch, feministisch). Ich engagiere mich bei den Grünen, weil es die einzige Partei ist, die meine – auch traditionellen – Werte wie Offenheit und Nächstenliebe zu genau 100% erfüllt. Wenn irgendeine Partei diese Gesellschaft, diese Welt retten kann, dann die Grünen. Das meine ich ernst und davon bin ich felsenfest überzeugt.

Ich bin also einer dieser vielen progressiven Bürgerlichen, die sich durch den quasi Sittenverfall der restlichen Parteien eine neue Heimat suchen mussten und diese bei den Grünen fanden. Davon gibt es sehr, sehr viele. Diesen Menschen ist der Kampf gegen die Asphaltierung irgendeines Feldweges herzlich egal und diese Menschen verstehen auch nicht, warum es frauenfreundlich sein soll, wenn diese durch Quotenregelungen bevorzugt werden. Diese Menschen haben aber erkannt, dass ein gutes Leben in Zukunft nur dann möglich ist, wenn wir nachhaltig handeln, unsere Ressourcen sinnvoll und schonend einsetzen, unseren Kindern bestmögliche Bildung zukommen lassen, ökosozial handeln und uns offen und solidarisch begegnen. Kurz: auf unser Miteinander und unsere Umwelt acht geben. Diese Menschen wählen die Grünen nicht, weil sie Basisdemokratie für total super halten oder sich gar persönlich von den Grünen angesprochen fühlen, sondern weil es schlicht keine Alternative zu den Grünen gibt.

Und genau diesen Menschen möchte ich ein Angebot sein, auch weiterhin – oder sogar erstmalig – die Grünen zu wählen.

Was Politik für mich generell bedeutet, ist der Bewerbung zu entnehmen. Vielleicht dazu noch eine Anmerkung: schlanker Staat bedeutet für mich die Hinterfragung der Sinnhaftigkeit von föderalistischen Ausgeburten wie 10 Wirtschaftskammern, zig Krankenkassen, 9 oder 10 Landesschulräten, und letztlich auch die Hinterfragung der Aufgaben einer Landesregierung.

Ich hoffe sehr, dass nicht nur ich finde, ein Angebot für die Wähler und Wählerinnen der burgenländischen Grünen zu sein, sondern dass auch Ihr das so seht und mir Eure Stimme schenkt. Die meisten hier im Saal kennen mich und wissen um meine Qualitäten und Nicht-Qualitäten Bescheid. Ich hoffe, erstere überwiegen und verspreche, Euch in diesem Wahlkampf nicht zu enttäuschen.

In diesem Sinne wünsche ich noch eine energievolle Landesversammlung und danke auch im Namen des Vorlesers für Eure Aufmerksamkeit!

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