Grünkapitalist

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Die neue Sachlichkeit.

Der Kampf um die Bürgerlichen

March 8th, 2010 at 19:53

Das Bürgertum ist eine Gesellschaftsform von Mittelschichten mit mehr oder minder gemeinsamen Interessenlagen und ähnlichen handlungsleitenden Wertorientierungen bzw. sozialen Ordnungsvorstellungen. [nach Wikipedia]

Die Definition von Mittelschicht lautet auf Wikipedia:

Unter dem Sammelbegriff Mittelschicht werden in der Soziologie diejenigen Bevölkerungsgruppen bezeichnet, die sich in Bezug auf ihr Einkommen bzw. ihren Besitz weder der vermögenden Oberschicht noch der besitzlosen und einkommensschwachen Unterschicht zuordnen lassen. Sie wird gelegentlich auch in die obere, mittlere und untere Mittelschicht unterteilt.

Was sind nun in Österreich bürgerliche Wertorientierungen? Ich glaube, ich liege nicht falsch, wenn ich in den Raum stelle, dass dies eher christdemokratische Werte sein werden. Also beispielsweise die Familie als Grundlage der Gesellschaft, die soziale Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft – auch im wirtschaftlichen Sinn (soziale Marktwirtschaft), liberale Menschenrechte und Subsidiarität. Weiters sicher auch Vermeidung von Überreglementierung sowie sämtliche allgemeinen Werte wie Hedonismus, Selbstbestimmung, usw..

Bürgertum hat in unseren Breiten also mit christlichen Werten zu tun. Jetzt ist es so, dass sich seit dem Antreten der Mutter aller Kellernazis, Barbara Rosenkranz, zur Bundespräsidentenwahl sämtliche Parteien abseits der aktuellen Präsidentenpartei SPÖ darin übertreffen, die bürgerlich gesinnten Wähler für sich zu reklamieren. Witziger Weise hat die Bürgerdiskussion ausgerechnet die FPÖ vom Zaun gebrochen, die fest davon überzeugt tut, dass Rosenkranz tatsächlich ein Angebot für Bürgerliche sei. Hier daher kurz ein Input, welche (burgenländische) Partei ich (als bürgerlicher Mensch) als bürgerlich sehen würde – und welche eben nicht.

FPÖ
Keine Frage: die FPÖ ist sicherlich alles, nur nicht bürgerlich. Als Alternative für Bürgerliche scheidet sie aus, da ihr Programm auf den bildungsfernen “kleinen Mann” ausgerichtet ist und nahezu sämtliche Grundwerte in ihrem Auftreten nicht vorkommen. Besonders geht der Wille nach liberalen Menschenrechten, Selbstbestimmung und sozialer Verantwortung ab. Noch viel mehr gilt das für Rosenkranz, die zwar offenbar die Familie als Grundlage der Gesellschaft sieht, aber natürlich in einem völlig unbürgerlichen Sinn. Bürgerlichen-Faktor: 0%

BZÖ
Teile des BZÖ mögen tatsächlich bürgerlich sein. Dem Obmann dieser Partei nehme ich das persönlich zum Beispiel durchaus ab. Stadler, Westenthaler oder Petzner sind in ihrer rechtsnationalen Gesinnung aber natürlich um keinen Deut besser als die Recken von der FPÖ. Bürgerlichen-Faktor: 10%

SPÖ
Historisch mag die SPÖ das genaue Gegenteil von Bürgertum sein. Real identifiziert sie sich seit Jahren mit christlich-sozialen Werten. Allerdings nur bundesweit aber sicher nicht im Burgenland, wo eher nationalistische Werte momentan im Vordergrund stehen. Bürgerlichen-Faktor: 50%

FBL
Rauter und Kölly waren sogar der FPÖ zu jenseitig, worauf sie halt ihre eigene Rechtspartei gründeten. Aufgewertet wird diese Gruppierung allerdings im Bürgerlichen-Faktor dadurch, dass immer wieder nicht zuordenbare Bürgerlisten aus einzelnen Gemeinden bei Rauter und Kölly mitmachen. Trotzdem – Bürgerlichen Faktor: 25% (in der Aussenwahrnehmung vielleicht sogar bis zu 50%).

ÖVP
Die ÖVP hat sich von den christlich-sozialen Werten und letztlich auch von sozialer Marktwirtschaft und Subsidiarität seit Riegler, Busek und Mockweitgehend verabschiedet. Die Regierungsperioden Schüssel 1 und 2 waren geprägt von neoliberaler und höchst unsozialer Geisteshaltung. Ich persönlich kenne eine Vielzahl enttäuschter Ex-ÖVPler und einer davon bin ich schließlich selbst. Sicherlich gibt es in der ÖVP bürgerliche Tendenzen, aber eher nicht in den wesentlichen Bünden (Bauernbund und Wirtschaftsbund). Daher Bürgerlichen-Faktor: 60%

LIF
Das LIF wäre eigentlich die ideale Bürgerpartei. Allerdings kann man größenmäßig kaum mehr von “Partei” sprechen und es hängt dem LIF nach wie vor die tödliche Kreuz-Diskussion unter Heide Schmidt nach, die natürlich sehr viele Bürgerliche in obigem Sinne in dieser Agressivität vor den Kopf schlug. Gäbe es die Grünen nicht, wäre das LIF eine bürgerliche Alternative. Bürgerlichen-Faktor 75%.

GRÜNE
Während die ÖVP durch ihren Wertewandel laufend bürgerliche Wähler verlor bzw. verliert, konnten die Grünen diese zunehmend gewinnen. So steht ausser Zweifel, dass selbige (neben dem LIF) die einzige “Vertretung” des Bildungsbürgertums sind. Die Grünen Grundwerte ökologisch, solidarisch, basisdemokratisch, gewaltfrei, selbstbestimmt und feministisch klingen (bis auf den Streitfall “feministisch”) schon von sich aus nach christlich-sozialem Programm, wobei im Gegensatz zum LIF von den Grünen die “Oberschicht” nicht umgarnt wird. Bürgerlichen-Faktor: 75-100%.

Fazit: Verdammt noch mal, es gibt bei dieser Bundespräsidentenwahl keine(n) bürgerliche(n) KandidatIn. Ein bürgerlicher Kandidat wäre Alexander Van der Bellen gewesen, aber den verbraten die Grünen lieber in einem Wiener Bezirkswahlkampf. Und weder ÖVP noch LIF haben sich zu einem ordentlichen Kandidaten durchringen können. So bleibt als “Wahl” für Bürgerliche nur noch Heinz Fischer als zumindest Halbbürgerlicher.

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