Tourismus im Burgenland: ein Entwicklungsprojekt
May 6th, 2010Nun bin ich in der Lage, eine umfassende Aussage zu den Tourismuszahlen treffen zu können, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte. Hier also die Hard-Facts:
Das Burgenland im Bundesländer-Ranking
- Bei der relativen (nicht absoluten!) Entwicklung der Nächtigungen belegen wir Platz 1. Dieser Nächtigungszuwachs findet aber in erster Linie nicht – wie suggeriert – in der 4- und 5-Sterne Hotellerie statt, sondern beim Camping und in den Krankenkassen-Kurheimen.
- Bei der relativen (nicht absoluten!) Entwicklung der Ankünfte halten wir bei Platz 2.
- Im Winter belegen wir den letzten Platz bzgl. Bettenauslastung, im Sommer den guten 2. Platz.
- Auf Platz 6 liegt das Burgenland, wenn man die Anzahl von Betten und Beherbergungsbetrieben pro Einwohner ansieht.
- Interessant: bei der Bettenanzahl pro Betrieb belegen wir den Platz 3. Das kommt daher, dass es kaum gewachsene Strukturen gibt und quasi alles neu gebaut ist, was Betten beinhaltet.
- Bei der mittleren Aufenthaltsdauer sind wir Platz 6, Platz 9 bei der Entwicklung der Aufenthaltsdauer (-20% seit 2000). Die Menschen bleiben also immer kürzer in unserem Land.
- Mit großem Abstand belegen wir den letzten Platz beim Anteil ausländischer Gäste. Da hilft nicht mal die Tatsache, dass das ganze Burgenland Grenzregion ist.
- Am letzten Platz befindet sich das Burgenland auch, wenn man das Durchschnittseinkommen im Tourismus betrachtet.
Das Land belegt betreffend der Förderintensität (eben wie in einem früheren Beitrag bereits erwähnt bis zu ca. 14 Euro pro Gast) einen Spitzenplatz.
Was gibts sonst noch zu bekritteln?
- Tourismus ist im Burgenland auf wenige Gemeinden konzentriert, wobei Bad Tatzmannsdorf und Podersdorf zusammen rund 30% aller Nächtigungen bringen. Dazu gibt es viele Lücken, z.B. im Mittelburgenland, wo es in der Mehrheit der Gemeinden keinerlei touristische Aktivität gibt.
- Die Konzentration auf Thermen und Wellness erfordert laufende Reinvestitionen, die die einzelnen Betriebe meist nur mit massiver öffentlicher Kofinanzierung stemmen können.
- Das Nord-Süd-Gefälle ist im Tourismus (wie auch sonst überall) trotz Rieseninvestionen weitgehend unverändert. 50% des Tourismusgeschehens spielen sich rund um den Neusiedler See ab.
Fazit
Statt Jubelpolitik, die vielfach „leicht“ übertrieben erscheint, sind nachhaltige profitable Konzepte mit Alleinstellungsmerkmal(en) nötig.
Aus den vorhandenen Stärken müsste ganz ohne allzu harte Infrastruktureingriffe weit mehr herauszuholen sein – so sind bisher laut Umweltminister gerade mal ca. 400 touristische Arbeitsplätze landesweit durch den Radtourismus, für den das Burgenland prädestiniert ist wie kaum eine andere Region in Österreich, sehr dürftig!
Die extreme Abhängigkeit von inländischen Gästen hat neben Nachteilen, wie der damit im Zusammenhang stehenden geringen mittleren Aufenthaltsdauer auch Vorteile, solange es Österreich im Europa-Vergleich wirtschaftlich gut geht. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen. Daher wäre gezielte Bearbeitung von Auslandsmärkten wichtig.
Im Förderungsbereich sollten gezielte Förderungen für Kleinst- und Kleinbetriebe, die neben den großen Qualitätsbetrieben stark zu einer breiten regionalen Streuung des Mehrwerts einer positiven Tourismusentwicklung beitragen, noch stärker als bisher und auch nach der jüngsten Fördersatz-Anhebung den gebührenden Stellenwert bekommen. Hingegen sind fortgesetzte Haftungen und Zuschüsse für nachhaltig defizitäre Problembetriebe zu hinterfragen.


